Es war irgendwann in der Zeit als die Corona-Zeit zwar noch nicht vorbei war, aber die größten Verwüstungen vorerst etwas gelindert waren. Als die ersten Leute geimpft waren, als die Ausgangssperren nicht mehr waren und es auch nicht mehr Winter war. Da erzählten dann die ersten Freunde, dass es ihnen in dieser Zeit gar überhaupt nicht so gut gegangen ist. Man hörte von den ersten Bekannten, die in Therapie oder einer Klinik gegangen sind und hat es von anderen mitbekommen, dass die es auch hart nötig gehabt hätten. Aber erstmal haben die Leute geschwiegen und es in sich rein gefressen.
Und jetzt? Jetzt habe ich das Gefühl, dass in diesem aktuellen Wahnsinn gerade die psychischen Verwüstungen auch anfangen. Ich hab es bei ein, zwei Freunden bemerkt, die nicht drüber sprechen, aber wenn man sie kennt, merkt man, dass sie gerade mächtig knabbern. Das die Sicherheit komplett zerfetzt wurde, ganze Weltbilder ins Wanken geraten, die Unsicherheit Ängste macht.
Also: Wie geht ihr mit der ganzen Geschichte rund um Krieg, Trump, Wirtschaftskrise, Grönlandgier, Techimperialismus und Faschismus um? Wie geht es euch?
Wie geht ihr mit der ganzen Geschichte um?
Verschwörungstheorien
F43.0 G: Akute Belastungsreaktion, seit einer Woche und noch für eine weitere Woche arbeitsunfähig.
Hauptsächlich wegen beruflichen Dingen, aber die allgemeine Weltlage trägt sicher auch ihren Teil zu verminderter Resilienz bei.
Pragmatischer Antifaschismus zur erhalt der Sanity.
Es hilft zu sehen wie sich struckturen bilden und festigen.
Tatsächlich lässt mich das aktuell halbwegs unberührt (was nicht bedeuten soll, dass es mir egal ist).
Dazu muss aber auch gesagt sein, dass die letzten 6 Jahre für mich ziemlich turbulent waren und jetzt das letzte Jahr das erste mal war, dass ich wirklich das Gefühl hatte persöhnlich Vortschritte zu machen und auch das erste mal seit langen, dass ich ne grobe Ahnung hab wofür ich den ganzen Mist eigentlich mache. Mir fällts da gerade irgendwie ziemlich leicht mich darauf zu fokussieren und eine ziemliche “Dann soll die Welt doch vor die Hunde gehen, ich mach mein Ding” Attitüde einzunehmen.Mir helfen die ganzen Klassiker:
- Sport
- Viel mit Freunden unternehmen
- Nachrichten nicht mehr den ganzen Tag verfolgen, sondern gesammelt 1-2x pro Tag
- Überlegen, was ich überhaupt beeinflussen kann und das dann machen
Ab und zu habe ich dann so 2,3 Tage Weltschmerz, danach geht’s wieder bergauf.
Gute Sachen.
Für mich geht auch noch deutlich seltener Nachrichten. 1x pro Woche oder weniger. Die 5% mittel- und langfristigen Entwicklungen verfolgen und die 95% an irrelevantem Grundrauschen skippen.
Mal mehr schauen was lokal um einen herum passiert statt auf Weltgeschehen zu fixieren.
Kleine Dinge genießen. Bei mir ist es gerade Tee in all seinen Facetten. Absolutes Rabid hole und sehr beruhigend.
Freunden bewusst was nettes tun. Bekochen oder irgendwo aushelfen. Initiative ergreifen und gemeinsame Unternehmungen planen…
Bei mir ist es nur der Jobmarket weil mein Brieten Partner einen besseren Job möchte und finanziell unabhängig sein möcjte aber gerade mit seinem job es nicht geht und er keinen anderen job findet
Kann nie schaden was von den Stoikern zu lesen. Ob ich mich jetzt über jeden von Trumps Hirnfürzen aufrege oder nicht, es ändert nichts an der Weltlage. Ich konzentriere mich auf das, was ich direkt beeinflussen kann. z.B. hier schreiben statt auf dem Fascho Torment Nexus, ner Bibliothek mein Geld geben statt Netflix, weniger schrott konsumieren, mehr investieren.
Ich schreibe das jetzt nur hier dazu, weil es finde ich dazu passt, nicht weil ich dich kritisieren oder gegen Stoizismus argumentieren will:
Als säkularer Buddhist sehe ich viel Gemeinsamkeiten mit Stoikern. Was ich erstaunlich finde ist, dass beides etwa gleichzeitig, aber in unterschiedlichen Teilen der Welt ohne Kontakt zueinander entstanden ist und trotzdem einen so ähnlichen Ansatz verfolgt.
Ein nennenswerter Unterschied ist, dass, wie du schon schreibst Stoiker an den freien Willen glauben, dass obwohl man die Umstände nicht kontrolliert, man sein eigenes Handeln unter den Umständen kontrolliert. Die moderne Psychologie und Neurologie glaube ich findet sich da eher auf Seiten des Buddhismus wieder, der eher davon ausgeht, dass man wenig Kontrolle hat, auch über das eigene Handeln, bzw. jedes Fitzelchen an Kontrolle über sich selbst erst erarbeitet werden muss. Das resoniert auf jeden Fall mit mir als Person mit ADHS.
Es geht beim Buddhismus zentral mehr darum Verlangen zu identifizieren und davon loszulassen, insbesondere den Verlangen, die nicht erfüllt werden können, z.B. hier dem Verlangen nach einer gerechten Welt (was aber nicht heißt, dass man nicht versuchen soll die Welt selbst ein Stück gerechter zu machen, wenn man die Möglichkeit dazu hat). Leiden ist Teil der Welt, das eigene Leiden ist in Verlangen begründet und wird damit aufgelöst vom Verlangen nach und nach loszulassen. Mir hilft der Ansatz sehr mit den Dingen im OP (und vielem Anderen, z.B. sozialer Angst) klarzukommen.
Konkrete Leseempfehlung wäre “Buddhism without Beliefs” von Stephen Batchelor.
PS: Ich will hier keinesfalls Stoizismus abwerten oder Buddhismus darüber stellen, ich finde Stoizismus sehr interessant und auf jeden Fall einen nützlichen Ansatz den sich jeder anschauen sollte. Und eine der Lehren Buddhas (bzw. wurde vermutlich später hinzugefügt) war auch, dass es nicht auf den Lehrer ankommt und nicht auf die Lehre, sondern wie sie einem helfen sich zu verbessern.
Ich verstehe zumindest bei dem nicht buddhistischen Teil Worauf du hier hinaus willst, ich sehe das den freien Willen als eine nützliche/notwendige Fiktion. Natürlich kämpft man die Hälfte der Zeit gegen den inneren Schweinehund, seine Hirnchemie, genetische Faktoren, die Evolution selbst. Aber selbst dann gehst du ja, wenn du an dir arbeitest, davon aus, das beeinflussen zu können. Und zumindest auch die stoiker würden denke ich kaum behandeln, dass man lästiges einfach so nicht wollen kann.
Wie du schon schreibst sind Hirnchemie usw. auch Umstände über die man keine oder nur begrenzte Kontrolle hat, genauso wie externe Umstände. Deswegen sollte man aus meiner Sicht zuerst an den Erwartungen an sich selbst arbeiten, was absehbar möglich/realistisch ist, also eben keine nützliche/notwendige Fiktion (bzw. das Verlangen danach, dass die Fiktion irgendwann wahr wird) zu haben. Buddhismus konzentriert sich mehr auf den eigenen emotionalen/mentalen Umgang mit diesen Umständen, als die Umstände selbst zu überwinden. Zum Beispiel hat Buddhismus auch Selbstdisziplin nicht per se als Tugend (oder überhaupt Tugenden als solche). Buddhismus hat das “Rechte Bemühen” (right effort), aber da geht es auch eher um die innere Selbstdisziplin.
Tl;dr: Am eigenen Verhalten arbeiten ist gut, aber wichtiger ist, dass das nicht selbst wieder zur Quelle der Verzweiflung wird.
Ich war vorher schon chronisch depressiv. Es ändert nichts an meinem psychischen zustand. Es hilft natürlich nicht dabei den zu verbessern.

Wünsche mir Corona fast zurück. Gerade in der Anfangszeit war ich sogar milde optimistisch, weil es so schien, als würde die ganze Welt tatsächlich mal an einem Strang ziehen wollen.
Aber jetzt? Ich hab wieder 'ne scheiß Angst vor der Zukunft. Bin da zwar recht abgestumpft, weil aufgewachsen mit Weltuntergangsprophezeihungen, trotzdem ziemlich kacke. Unsere Gesellschaft scheint einfach komplett von den diversen Divide & Conquer Fraktionen ausgedribbelt zu werden. Und kaum was zu sehen, was wir dem entgegen setzen können. Überall dieser ganze Hass, der sich auf die Verantwortlichen (imho Politiker und Menschen mit viel zu viel Geld, die damit die Demokratie manipulieren) konzentrieren könnte.
weil es so schien, als würde die ganze Welt tatsächlich mal an einem Strang ziehen wollen.
So sehr dieses.
Ich erinnere mich genau an diesen Gedanken und dieses Gefühl, zum allerersten Mal in der Menschheitsgeschichte mit “allen” im gleichen Boot zu sitzen, quasi ein paradoxes Näher-Zusammenrücken im gemeinsamen Social Distancing. Da muss doch irgendwas Gutes bei rauskommen, oder?? Und dann sind wir irgendwo falsch abgebogen. 😑
ja gut, aber das erste was in deutschland passierte, war keine hilfe nach italien zu schicken. eine ernst zu nehmende internationale impfkampagne gab es am ende auch nicht.
Nee, es ist letzten Endes alles auseinander gefallen. Aber so die ersten paar Monate waren alle noch verwirrt und unvorbereitet, da war es nicht unbedingt überraschend, dass praktische Maßnahmen erstmal Mangelware waren oder schief liefen oder in die falsche Richtung. Ich red mehr von der Mentalität, die meinem Gefühl nach vorherrschte (wenn auch nicht sonderlich lange). Ich kann das auch alles nicht an konkreten Tatsachen festmachen, deswegen sagte ich “Gefühl”.
Schlecht (Überraschung!). Nicht “nur” wegen des damit verbundenen Leids - die völlige Sinnlosigkeit macht mir gefühlt am Meisten zu schaffen.
Es gibt viele komplexe Probleme, aber manchmal gibt es auch eindeutige Maßnahmen, die helfen würden aber einfach nicht gemacht werden - z.B. Tempolimit, AgD-Verbot, … Es gibt Mehrheiten in der Bevölkerung dafür. Es gibt keine vernünftigen Gegenargumente (die offen ausgesprochen werden). Es wird einfach trotzdem nicht gemacht und stattdessen sehenden Auges ins Verderben gerannt. Das macht mich fertig.
Und böse Zungen würden sagen, dass das genau das Ziel von diesem Verhalten ist: die demokratischen und engagierten Teile der Bevölkerung zu demoralisieren. Und selbst wenn es nicht das Ziel ist, ist das zumindest der Effekt.
Was ich dagegen tue: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es unglaublich (buchstäblich) gut tut, mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten - und zwar nicht nur online, sondern im persönlichen Kontakt. In solchen Situationen merke ich, was “Der Mensch ist ein soziales Wesen” heißt (und ich sage das als Introvertierter) - ich merke das auf einer geradezu biologischen Ebene.
Von daher organisiere ich mich mit anderen, um etwas gegen den Wahnsinn zu tun. Man kann sich natürlich auch zu anderen Zielen zusammentun (ich glaube, dass vielen Menschen die Lohnarbeit so wichtig ist, hängt am selben Effekt), aber das ist das, was mir gerade am Sinnvollsten erscheint. Im Idealfall erreichen wir sogar was (z.B. indem wir zeigen, dass Solidarität eher zu einem besseren Leben führt als Nachtreten gegen Schwächere) und schlimmstenfalls tut es uns einfach gut.
Außerdem: Ablenkung, Therapie, Kontakt mit netten Leuten, meditieren, Humor.

Ich übe mich in Resilienz, in lächelndem Gleichmut und Achtsamkeit. Es ist mir nicht egal, was passiert, aber ich muss genau hinsehen, was mich erreicht und was ich selbst bewirken kann. Die Unzufriedenheit über Dinge, die ich nicht ändern kann, schadet mir.
Inspiriert vom Gedicht “there’s laundry to do and a genocide to stop”: Ich werde nicht die großen Probleme unserer Zeit lösen (können), sofern ich nicht mein Leben vollständig umwerfe - und das wird nicht ohne dramatische Einflüsse passieren.
Ich muss also lernen, dass ich mache was ich kann, und dass dennoch Dinge nicht in meiner Macht liegen.
Daher meditiere ich, übe mich im Freuen an meinen Hobbies und meiner Familie, engagiere mich in einer gemeinnützigen Organisation, lege öfter mal das Handy ganz weit weg und hole mir mein “Erspartes” von den grauen Herren zurück, indem ich mich ab und zu mal von der Langeweile einnehmen und die Dinge ihre Zeit dauern lasse.
Ich glaube: Ich versuche, in dem bisschen Zeit, die mir bleibt, für “meine Menschen” und mich selbst der beste Mensch zu sein, anstatt der für andere am wenigsten belastende Mensch. Die Welt wird nicht besser davon, dass ich nervös und wütend und zynisch bin - aber meine Welt wird es, wenn ich meinen Weg in Ruhe gehe.
Das schaffe ich zwar nicht oft, aber es wird.
Schritt, Atemzug, Besenstrich.
Hauptsächlich kämpfe ich damit, dass diese es gibt kein morgen Stimmung mir auch aus dem Umfeld entgegenschlägt. Ich selbst mach gerade ein bisschen die Augen zu, ist zwar naiv, aber mir ist das alles einen Ticken zu wahnsinnig.
Ich finde das nicht naiv, sondern konsequent, weil man sich ja schützen will. Ich vermeide auch zurzeit Nachrichten und verschiedene Communities, weil ich sonst selber diese Stimmung entwickle und ausstrahle.
Ich glaube manchmal, dass wir mit all dem drohenden Unheil übersehen, dass nicht alles davon, nicht alles gleich heftig und nicht alles zur gleichen Zeit passieren wird.
Und nur, weil ich meine Plattitüden so mag: Natürlich gibt es ein Morgen. Und dann noch eins. Und noch eins. Und wie heute auch werden wir im Morgen aufwachen und das Heute leben, das uns unser Gestern beschert hat.
Scheiße, mein Ventil sind zynische Kommentare hier und Drogen.
Wo gibt’s hier Drogen?
Bei mir, willst du lieber Gras, LSD, oder DMT haben? Alternativ bin ich in ner halben Stunde beim Frankfurt Hbf.
Ich fühle mich in meiner Ablehnung des Kapitalismus und von Technologiegläubigkeit bestätigt.
Ich beobachte (real und in den sozialen Medien), dass sich Menschen immer mehr auch über kleinste Dinge oft masslos ärgern, auch dann, wenn das alles nichts nützt. So langsam könnte das auch in “jeder gegen jeden” ausarten, wo dann Empathie und Solidarität definitiv nicht mehr vorhanden sind. Man müsste das schon sehr im Auge behalten…
Das Gefühl habe ich auch. Social Media aber auch die unendlichen Klickköder-Schlagzeilen und Kommentare machen uns hilflos und depressiv. Über jeden politischen Pups und jedes tragische Schicksal in einem x-beliebigen Drittland wird berichtet bis die Synapsen aufgeben. Dafür sind wir nicht gemacht, das ist nicht gesund.
Achtung, es folgen völlig verkorkste Gedanken.
Ich bin seit Ende 2019 arbeitsunfähig aufgrund chronischer, schon deutlich länger bestehender Problematiken, die sich hartnäckig allen Anstrengungen und Bemühungen widersetzen. Deswegen ist es für mich gradezu entspannende Ablenkung, in die Welt zu schaun und nur Zeug zu sehen, das ganz klar außerhalb meines Einflussbereichs liegt, wo ich mir also gar kein schlechtes Gewissen einreden KANN, weil ich nix unternehme (außer halt wählen gehen und bestimmte Produkte boykottieren und solche Sachen). Pandemie und Lockdown empfand ich als fürchterlich angenehm, die ganze Ruhe, niemand erwartet, dass man irgendwo hinkommt, niemand will unerwartet Besuch abstatten, herrlich (wenn da nicht die ganzen Toten gewesen wären, selbstverständlich…).
Mir ist sehr bewusst, wie das klingt, dass diese Art der “Ablenkung” nicht direkt gesund ist, und mir wär auch lieber, meine Sicht wäre eine andere. Blergh.
Puh, gar nicht gut, aber danke fürs Nachfragen.
Im Moment versuche ich dem entgegenzuwirken, indem ich weniger Nachrichten konsumiere. Gerade Anfang des Jahres hab ich gemerkt, dass ich da eher vermehrt Artikel gelesen hab. Quasi der Versuch mit mehr Infos irgendwie schlau aus der Sache zu werden. Aber das macht es nur schlimmer. Gehirn mag Krise nicht.
Bis ich dann zufällig über einen Artikel gestolpert bin, mit Tips wie man die Situation am besten angehen kann und am Ende ist der beste Tip dann wirklich weniger Nachrichten. Ich versuche auch hier weniger Kommentare zu politischen Themen zu lesen. Hab das Gefühl da herrscht vor Allem der Zynismus und so ein bisschen die “Geht eh alles den Bach runter, als war’s das jetzt”-Stimmung. Außer Lemmy benutze ich eh kein Social Media (Falls man es überhaupt so nennen kann), sonst wär’ der Effekt wahrscheinlich noch stärker.
Aber Aufgeben ist halt auch nicht. Hoffnung hat Blut an den Knöcheln und so.








