Ich finde die Diskussion und das gehate gegen Palmer total fehl am Platz.
Man stelle sich die gleiche Situation vor, nur anstelle von einem Bürgermeister ist es ein Fahrkartenkontrolleur. Im Ergebnis hätten die oder der Jugendliche ein Ticket bekommen und die Sache wäre erledigt gewesen. Nur weil die Person in diesem Fall einen Bürgermeister war, wird hier irgendwie die Realität Regeln, Normen und Gesetze vollkommen, außer acht gelassen und alles dreht sich nur um die Personalie. Sich jetzt in der Diskussion auf Umgangsformen und ein möglicherweise herablassendes Verhalten des Bürgermeisters zu berufen ist Spekulation. …und zu Jugendlichen du zu sagen, anstatt Sie, sollte hoffentlich keinen Grund sein, für diese verbalen Engleisungen.
Laut Palmer diskutierten mehrere Jugendliche, ob sie trotz fehlender Berechtigung in der ersten Klasse Platz nehmen sollten. Nachdem sie zunächst in der zweiten Klasse geblieben waren, sei einer von ihnen in die erste Klasse gekommen – offenbar in der Annahme, es gebe keine Kontrolle. Palmer habe diesen konfrontiert und ihn darauf hingewiesen, dass sein Fahrschein für den Bereich „nicht ausreiche“, wie ihm bewusst sein müsse.
Wüsste gerne wie genau der Teil des Gesprächs war. Klar. Ist erst mal eine Bagatelle und wenn der Jugendliche erwischt wird erst mal sein Problem. Aber der Ton macht die Musik. Bei so einem Gesprächsverlauf hier würde ich seine Aufregung verstehen - auch um das Verhalten der anderen:
Hey, ich hab eure Diskussion mitbekommen. Ist deine Entscheidung, aber wenn der Schaffner dich erwischt, passiert (…).
Halt die Fresse!
Irgendwie hab ich aber den Verdacht, dass es eher in diese Richtung lief:
Hey, du weißt doch genau, dass du mit deinem Ticket hier nicht rein darfst, also geh wieder in die zweite Klasse wo du hingehörst!
Halt die Fresse!
Das wäre dann eben ein typischer Fall von “wie man in den Wald hinein ruft, schallt es heraus”. Und so sehr ich es auch hasse, wenn Leute auf regeln und Konventionen scheißen - hier wäre ich auch auf der Seite des Jugendlichen…
Schade dass Palmer aus den Grünen ausgetreten ist. Einer der wenigen vernünftigen in der Partei. Zeigt aber umso mehr was für eine Partei die Grünen sind, nämlich mehr links als Mitte.
Palmer war, ist und bleibt mir unsympathisch.
Er hat definitiv mit dem Ausweis die sogenannte “small dick energy” (sorry, will niemanden verletzen).
Andererseits ist die Haltung der anderen auch bedenklich. Die Lehrerin hat sich echt nicht mit Ruhm bekleckert. Amtseid hin oder her.
Ich würde fast sagen “ASA” (alle sind Arschlöcher) bei der Story.
“Herr Lehrer Sie haben noch gar nicht die Hausaufgaben kontrolliert.”

Ehrlich gesagt ein gutes Zeichen das sich die Fahrgäste mit den Jugendlichen solidarisiert haben.
Taktisch nicht die beste Argumente, aber das Herz am richtigen Fleck
In dem sie genau das selbst tun, was sie Boris vorwerfen?
Haben sie ja nicht. Dass Palmer die Kinder dumm anmacht, ist tatsächlich ein Problem, nicht wie das erste-Klasse fahren.
Richtig. Wenn jemand mit einem zweite-Klasse-Ticket in der ersten Klasse sitzt, dann ist das ein Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen und die Bahn darf von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und eine Strafzahlung verlangen. Das ist Angelegenheit der Bahn.
Herr Palmer arbeitet nicht für die Deutsche Bahn und hat keinerlei Autorität, irgendwen zu konfrontieren. Das war der erste Übergriff seinerseits.
Der zweite war, dass er dann auf ein “halt die Fresse” damit reagiert hat, einen Dienstausweis zu zücken und Personalien aufnehmen zu wollen. Das ist eine direkte und unnötige Eskalation.
Aber es geht noch weiter: Dass Polizisten besonders gegen Beleidigung geschützt sind hängt damit zusammen, dass uniformierte Polizisten im Einsatz eine gewisse Autorität brauchen, um ihre Arbeit effektiv verrichten zu können. Wenn die untergraben wird, wird das mit der öffentlichen Ordnung schwerer. (Was man jetzt von der Polizei hält sei dahingestellt, aber so die Theorie.) Wenn er jetzt als Oberbürgermeister zur Polizeibehörde gehört, dann hat er technisch gesehen auch diesen Schutz, aber der ist an sich nicht dafür gedacht, irgendwelche Verwaltungsbeamte zu schützen, bei denen ohne Dienstausweis gar keine Zugehörigkeit zur Polizei erkennbar ist. Also haben wir eine gefühlte (wenn auch nicht rechtliche) Amtsanmaßung.
Er präsentierte sich als unnötig autoritär, wandte diese Autorität in einer unangemessenen Situation an, nutzte einen von Amts wegen vorhandenen Status als Polizeibeamten für weitere Eskalation, und wunderte sich dann, wenn das in der Öffentlichkeit irgendwie nicht gut ankam. Und war noch baffer, wenn ihm nicht der gebührende Respekt gezollt wurde, nachdem er dem Jugendlichen gegenüber keinerlei Respekt gezeigt hat.
Man würde erwarten, dass ein Berufspolitiker ein besseres Gefühl für Optik hat.
Also soll man sich einfach so ein “Halt die Fresse” gefallen lassen? Für mich ist das hier einfach ein typischer Fall von FAFO.
War es, aber nicht so, wie du denkst. Herr Palmer hat FA, indem er sich unberechtigt als inoffizieller Zugbegleiter aufgespielt hat. Das FO bestand dann aus einer mäßig schweren Beleidigung. Das ist keine besonders schwere Konsequenz.
Die Reaktion ist jetzt zwar unfreundlich, rechtfertigt aber keineswegs, dass jemand, der von Amts wegen technisch gesehen Mitglied beim Ordnungsamt ist, plötzlich Personalien aufnehmen will – zumal er in der Konfrontation der Aggressor ist. Das ist noch mal FA und dann Weinen, wenn man FO, dass die öffentliche Meinung nicht auf der eigenen Seite ist.
was bedeutet denn jetzt FA und FO?
Wenn er jetzt als Oberbürgermeister zur Polizeibehörde gehört
Das wäre nicht mal die richtige Polizei, sondern das Ordnungsamt, das wesentlich weniger Befugnisse hat, als die echte Polizei, die keine kommunale, sondern eine Landesbehörde ist und deren Personal, (insbesondere außerhalb der Verwaltung) fast ausschließlich aus Beamten besteht, die einen Amtseid geleistet haben. (Ordnungsämter arbeiten mittlerweile aus Kostengründen größtenteils mit Angestellten) Viele Ordnungsbehörden schimpfen sich zwar inzwischen “Stadtpolizei” oder “Kommunalpolizei”, um sich wichtig zu machen, aber das ändert nichts an ihren doch sehr beschränkten Befugnissen. Für die meisten polizeilichen Maßnahmen müssen die die Polizei rufen, auch wenn sie das nicht unbedingt wahrhaben wollen.
die Kinder
Verkindlichung von Jugendlichen ist mit einer der Gründe, warum die immer respektloser werden, denn die geben nur die Respektlosigkeit zurück, die sie ständig erfahren.
Das wirkt für mich eher wie; “Bonzi McBonz will keinen Wahlpöbel in seiner ersten Klasse!”
Was mich stört, ist, dass Herr Palmer sich hier als großer Regelbewahrer aufspielt in einem Konflikt, der eigentlich komplett erfunden ist und ihn auch nichts angeht. Der Zug bewegt die gleiche Masse an Menschen, egal ob die in der ersten oder zweiten Klasse sitzen, es handelt sich dem Text nach auch nicht um ein Ruheabteil oder Ähnliches.
Und anders als bei akuten Gefahrensituationen wäre hier ein sofortiges Eingreifen ja absolut nicht nötig gewesen und hätte getrost dem dafür zuständigen und befugten Personal überlassen werden können. Und genau deswegen wirkt es für mich eben so, als würde sich der feine Herr mehr darüber echauffieren, dass diese “Geringverdiener” es wagen, sich einen besseren Platz zu suchen, als wirklich Fehlverhalten ansprechen zu wollen. (Ich darf ja auch nicht jeden Nazi verhaften und müsste mich stattdessen an die Polizei wenden, aber ich bin ja auch nur Wahlvieh…)
Des Weiteren hätte er ja auch, wie es für einen Volksvertreter ja eigentlich üblich sein sollte, das Gespräch mit diesen potenziellen Wählern suchen können, um herauszufinden, WARUM sie sich in die erste Klasse setzen wollten. War der restliche Zug überfüllt und die erste Klasse mal wieder komplett leer? Gab es in der zweiten Klasse Probleme mit anderen Fahrgästen? usw. usf.
Aber nein, Herr Palmer verteidigte hier lieber die finanziellen Interessen eines 100% staatlich gehaltenen Privatkonzerns, der regelmäßig mit Steuergeldern subventioniert wird und trotzdem unverschämt teuer ist.
Das finde ich aber zu kurz gegriffen. Ich finde, er hat schon einen Punkt, dass es gewisse Normen und Regeln gibt.
Und sich in die erste Klasse zu setzen, aber dafür nicht zu bezahlen ist grundsätzlich erstmal nicht OK. Ist ja auch etwas, worüber sich die Bahn finanziert. Ob die Bahn jetzt schlecht oder gut wirtschaftet oder geführt wird, hat damit ja auch nichts zu tun.
Selten so viel Blödsinn gelesen.
Boris Palmer sollte lernen seine Fresse zu halten.
Boris Palmer beklagt Ton und Umgang, schreibt aber selbst, dass er die Jugendlichen geduzt hat.
Wo ist das ein Problem Jugendliche zu duzen? Und man kann doch ernsthaft nicht duzen auf die gleiche Ebene stellen wie Beleidigungen.
Die erste Klasse in Zügen gehört abgeschafft, sich dagegen zu wehren und die erste Klasse zu besetzen ist ziviler Ungehorsam, kein Fehlverhalten.
Sich dagegen ohne “Not” in anderer Leute Angelegenheiten einzumischen und Hilfssherriff zu spielen ist einfach nur peinlich.(Not in Anführungszeichen, weil ich damit nicht nur einen Notfall, akute Gefahr oder so meine, sondern auch Lärmelästigung, dreckige Schuhe auf den Sitzen oder ähnlichen unsozialen Scheiß.)
Ich finde eine 1.Klasse als “Business Class” also für Menschen, die während der Fahrt arbeiten müssen, schon sinnvoll. Man hat mehr Platz, mehr Ruhe und es ist etwas angenehmer.
Das muss die Kapazität der Strecke aber auch hergeben. Wenn die 2.Klasse komplett überfüllt ist, sollte es keine 1.Klasse geben.
Ne, die zweite Klasse gehört abgeschafft.
Es gibt zwei Typen von Linken: Die einen fordern die Abschaffung der 1. Klasse bei der Bahn, damit alle Menschen gleich 2. Klasse fahren. Ich bin ganz anders: Ich fordere die Abschaffung der 2. Klasse, damit alle 1. Klasse fahren können. Und es sich leisten können.
- Gregor Gysi
Ok, Brudi. Lass über Semantik schwafeln statt tatsächliche Dinge. Das ist ja so zielführend.
Es ist Not, wenn die 2.-Klasse-Plebs mir die 1.-Klasse-Luft wegatmen. Atemnot.
Was Hilfssherriff spielen angeht stimme ich dir vollkommen zu, bei der ersten Klasse allerdings nicht. Mein Vater ist zum Beispiel immer erste Klasse gefahren - nicht weil er reich, sondern immungeschwächt war und dort größeren Abstand zu anderen Menschen halten konnte. Auch für Menschen mit sensorischen Verarbeitungsstörungen kann die ruhigere Umgebung in der ersten Klasse ein Segen sein.
Mein Vater ist zum Beispiel immer erste Klasse gefahren - nicht weil er reich, sondern immungeschwächt war und dort größeren Abstand zu anderen Menschen halten konnte. Auch für Menschen mit sensorischen Verarbeitungsstörungen kann die ruhigere Umgebung in der ersten Klasse ein Segen sein.
Okay, und was ist mit den immungeschwächten Menschen oder Menschen mit sensorischen Verarbeitungsstörungen, die sich kein Erste-Klasse-Ticket leisten können? Hi, ADHSler hier, ohne geräuschdämpfende Kopfhörer komm ich in Massentransportmitteln überhaupt nicht zurecht und bin auf Dauerstressmodus, aber mit Bürgergeld ist nie ein Erste-Klasse-Ticket drin.
Ich weiß, dass es Menschen gibt, die mehr Raum und Ruhe brauchen. Dafür sollte man aber nicht in der Lage sein müssen, sich den Aufpreis für die erste Klasse leisten zu können. Stattdessen wäre es doch sinnvoller, mit dem Platz, der derzeit auf die absolut niemals ausgelastete erste Klasse entfällt, die Abstände zwischen den Sitzen zu vergrößern, in regelmäßigen Abständen Lärmschutzwände zu verbauen und ähnliche Lösungen zu finden, die keinen Aufpreis kosten.
Okay, und was ist mit den immungeschwächten Menschen oder Menschen mit sensorischen Verarbeitungsstörungen, die sich kein Erste-Klasse-Ticket leisten können?
Die können dann nicht mit dem Zug fahren, was natürlich ungerecht ist. Allerdings würdest du mit der Abschaffung der ersten Klasse dann nur erreichen, dass noch mehr Menschen nicht mit dem Zug fahren können. Da würde auch eine geringfügige Vergrößerung des Platzes zwischen den Sitzen nicht helfen.
Stattdessen würde ich eher vorschlagen, dass Menschen in deiner Situation sich den Aufpreis für ein Erste-Klasse Ticket von der Krankenkasse bezahlen lassen können.
Ich finde wenn man argumentiert, dass es gar keine Preis/Qualitätsunterschiede geben darf, macht man ein großes Fass auf. Soll es bei Nachtzügen dann auch nur noch Liegewägen geben und keine Kabinen mehr? Am Ende des Tages erreicht man damit dann nur dass weniger Leute öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
Dein Vorschlag baut keine Hürden ab, es baut welche auf. Nicht nur, dass man zumindest in Vorkasse gehen können müsste, es erforderte dann Aufwand, sich das Geld zurückzuholen. Und es gibt Bearbeitungszeiten, die (das weiß ich aus eigener, leidvoller Erfahrung) auch gerne mal länger sein können als man sich das als Sozialhilfeempfänger leisten kann.
Am Ende des Tages erreicht man damit dann nur dass weniger Leute öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
Das bezweifle ich stark. Ers recht bezweifle ich das unter Voraussetzungen, die den ÖPNV insgesamt verbessern würden. Größere Sitzabstände, Schallschutzwände, höhere Taktung um die Auslastung gerade in Stoßzeiten zu entzerren, mehr Strecken, grundsätzlich barrierefreie Bahnhöfe und Haltestellen etc.
Wenn du mich fragst, sollte der ÖPNV sowieso bei Benutzung kostenfrei sein. Dann hätten 1.-Klasse-Abteile auch keinen Sinn mehr.Was macht dein Vater eigentlich, wenn die 1. Klasse doch mal voll besetzt ist?
Größere Sitzabstände, Schallschutzwände, höhere Taktung um die Auslastung gerade in Stoßzeiten zu entzerren, mehr Strecken, grundsätzlich barrierefreie Bahnhöfe und Haltestellen etc. Wenn du mich fragst, sollte der ÖPNV sowieso bei Benutzung kostenfrei sein. Dann hätten 1.-Klasse-Abteile auch keinen Sinn mehr.
Klar, wenn man das alles machen würde - sicher, klingt gut. Aber wir kennen beide den Zustand der Bahn in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann in den nächsten Jahrzehnten so viel Geld in die Hand genommen wird dass nicht nur die marode Infrastruktur repariert werden kann sondern das System auch noch in dem Ausmaß verbessert wird, geht gegen null. Da empfinde ich meinen Vorschlag, auch wenn er mit mehr individuellem Aufwand verbunden ist, doch als realistischer.
Was macht dein Vater eigentlich, wenn die 1. Klasse doch mal voll besetzt ist?
Naja, was soll er da schon machen? Sich irgendwo ins hinterste Eck setzen und hoffen, dass er sich nichts einfängt. Oder eben, wenn das schon von vornherein ersichtlich und die Fahrt nicht essenziell ist, nicht Bahn fahren.
Aber wir kennen beide den Zustand der Bahn in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann in den nächsten Jahrzehnten so viel Geld in die Hand genommen wird dass nicht nur die marode Infrastruktur repariert werden kann sondern das System auch noch in dem Ausmaß verbessert wird, geht gegen null.
Wir wissen beide, dass die Abschaffung der Ersten Klasse nirgends ernsthaft diskutiert wird, außer in den Utopievorstellungen einiger Linker. Und zu diesen Vorstellungen gehört auch immer die Modernisierung des ÖPNV insgesamt. Solche Forderungen stehen nie für sich alleine.
Da empfinde ich meinen Vorschlag, auch wenn er mit mehr individuellem Aufwand verbunden ist, doch als realistischer.
Du meinst, weil nicht gerade tatsächlich mal wieder diskutiert wird, den Leistungsumfang der Krankenkassen zu reduzieren wie als man Brillen daraus entfernt hat?
Und zu diesen Vorstellungen gehört auch immer die Modernisierung des ÖPNV insgesamt.
Man müsste nicht mal modernisieren. Bei der Bahn würde zurück in die 1980er reichen. Bei der Bundesbahn gab es auch in Regionalzügen in der 2. Klasse noch Abteile. Und die Sitze waren echt bequem, schön gepolstert, nicht der harte Scheiß, den die heute als Sitze verkaufen.
Würde mich interessieren was ihr alle so zu dem Fall denkt.
Einerseits finde ich es etwas lächerlich und überzogen als OB den Verkehrspolizisten zu spielen und Personalien aufzunehmen.
Andererseits beklagen ich auch immer wieder und mehr, was wir Leuten in den Öffis alles durchgehen lassen. Gruppen die rum pöbeln, laute Beleidigungen bis hin zu Drohungen sind halt echt an der Tagesordnung. Bin neulich im Regio fast von nem besoffenen Fußballfan zusammenschlagen worden, weil ich eingegriffen hatte nachdem er ne junge Mutter beleidigt hatte bis die aus dem Zug geflohen ist. Anstatt die Arschlöcher in ihre Schranken zu weisen haben alle nur betreten weg geschaut.
Ich sehe also absolut den Punkt, dass wir im öffentlichen Raum wieder mehr von uns gegenseitig grundlegenden Anstand einfordern sollten und auch dafür eintreten, was wir für richtig halten.
Ob das mit einschließt als OB die Fahrgastregeln der 1. Klasse im Regio zu verteidigen kann man vermutlich diskutieren.
Palmers Verhalten war unangemessen.
Mit dem falschen Ticket in der ersten Klasse fahren ist ein Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen des Zugbetreibers. Das geht mir persönlich am Arsch vorbei; ich arbeite nicht für die Bahn. Wenn die Leute sich in dann unangemessen verhalten, ist das ein Problem – aber das wäre es auch, wenn sie sich ein richtiges Ticket hätten. Das ist vollkommen orthogonal zueinander.
Insofern habe ich am Verhalten des Jugendlichen per se nichts auszusetzen. Das schließt potenzielles späteres Fehlverhalten nicht aus, aber dafür gibt es keine Anzeichen.
Palmer hingegen hat sich erst mal aufgeführt, als wäre er ein Zugbegleiter, und hat den Jugendlichen konfrontiert. Er arbeitet aber nicht für die Bahn und hat keine Autorität in der Sache. Also wäre hier Palmer der Unruhestifter.
Als der Jugendliche sich dann unhöflich aus der Unterhaltung entfernt hat, hat Palmer (der zuvor nicht als Angehöriger der Polizeibehörde zu erkennen war) ein für Streifenpolizisten intendiertes Privileg angerufen, und wollte wegen der wahrgenommenen Beleidigung Personalien aufnehmen. Wie gesagt: Er war als Polizist nicht erkennbar und ist ohnehin nur über seinen Titel als Oberbürgermeister Teil der Polizeibehörde.
Das ist ein massiver Übergriff. Als Bürgermeister mag er technisch gesehen in der Lage sein, das zu tun, aber gesellschaftlich werden hier Grenzen überschritten. Und als Leute das dann kritisieren, zeigt er sich empört, weil er davon ausgeht, dass er als Oberbürgermeister Tübingens das Recht hat, sich jederzeit zu verhalten, als wäre er ein hybrider Zugbegleiter/Bundespolizist.
Ganz ehrlich: Den Leuten in den Öffis weniger durchgehen lassen kann nicht bedeuten, eine solche grundlose Eskalation zu tolerieren.
Das ist ja alles aus Palmers Sicht und im Nachhinein verfasst und begründet. Angesichts von Palmers Persönlichkeit, kann ich mir gut vorstellen das Palmer sich in der Situation gerne wichtig machen und die Jugendlichen ein bisschen einschüchtern wollte. Das ist dann nach hinten los gegangen und er stilisiert sich jetzt als das Opfer.
Ich kann mir nicht vorstellen das die halbe Erste Klasse einer Bahn sich mit pöbelnden Jugendlichen gegen einen armen rechtschaffenen Palmer solidarisiert.
Edit: Anzeichen dafür das ich hier eventuell richtig liege, ist das Palmer jetzt seine Reichweite dafür nutzt, seine Version der Geschehnisse zu verbreiten. Mit entsprechenden Narrativ. Als Tübinger würde ich mich ja jetzt auch fragen ob mein Bürgermeister nix besseres zu tun hat als in einer Bahn - in der er kein Hausrecht hat - die Fahrscheine zu kontrollieren.
Mein Standpunkt und persönlicher moralischer Kompass dazu ist simpel:
Solange jemand nach oben boxt und nicht nach unten tritt hat er (m/w/d) meine Unterstützung.
Das ist eine ziemlich makabere Formulierung nachdem gerade ein Schaffner totgeschlagen wurde.
Leute dürfen sich also asozial verhalten, solange es die “Richtigen” trifft?
Ja, definitiv. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass das sogar so etwas wie eine Pflicht für Menschen die sich ihrer Klasse bewusst sind ist.
Bist du sicher?
Das heißt, wenn ein jugendlicher Migrant im Bus neben Oma Edeltraud sitzt, ist es ok, wenn er sich ihr gegenüber asozial verhält, weil er als Mensch mit Migrationshintergrund marginalisierter ist als eine biodeutsche Oma in der Rentnerrepublik? Oder doch nicht, weil er ein Mann ist und sie eine Frau? Oder er ist jung und sie alt? Was, denn sie einen Pelzmantel trägt und er nur ausgetretene Sneaker? Was, wenn er für seine sexuelle Orientierung diskriminiert wird?
Ehrlich gesagt: wenn ich jemanden auf der Straße erlebe, der sich scheiße verhält, sei es pöbelnd in der Bahn, mit seinem Auto auf der Busspur am Stau vorbeibrausend, ist mir scheiß egal, welcher sozialen Kaste derjenige angehört: er/sie/* handelt asozial und ich sehe nichts, was das rechtfertigen könnte.
Du hast einfach nicht verstanden, was “nach oben treten” heißt. Wenn die Omi und der Migrant nebeneinander im Bus sitzen, ist erst mal davon auszugehen, dass beider der gleichen Klasse angehören. Damit ergibt dein Rage-Bait-Beispiel natürlich keinen Sinn mehr.
Danke, besser hätte ich es nicht formulieren können.
Rofl. Erste Klasse in der S-Bahn ist für euch schon „nach oben“ treten. Ich lach mich schlapp.
„Lass die Plebs sich mal selber verprügeln“ denken Merz und Freunde in ihren Privatfliegern.
Ja eben. Weil der ganze Blick durch diese rosarote “Klasse”-Brille in den wenigsten Fällen Sinn ergibt, da diese suggerierte Trennung im Alltag schlicht nicht da ist.
Warum ist davon auszugehen, dass Omi und Migrant nebeneinander im Bus der gleichen Klasse angehören? Omi kann ein Einfamilienhaus besitzen und 250.000 € bar im Keller liegen haben. Ist sie in der gleichen Klasse wie der Migrant, der alle paar Monate der Behördenwillkür ausgesetzt ist und mit einem Bein im Abschiebeflugzeug steht? Wenn der Kontrolleur in den Bus kommt, wessen Fahrschein wird wohl genauer untersucht?
Wen treten denn ein paar Jugendliche, die für sich entscheiden, dass sie ab jetzt in der 1. Klasse sitzen? Leute, die in der 1. Klasse sitzen und nun mit der Anwesenheit der Jugendlichen leben müssen? Oder vielleicht doch andere Leute in der 2. Klasse, die sich im Gegensatz zu ihnen nicht das Recht nehmen, sich einfach einen Platz zu nehmen in einem Bereich, für den sie nicht bezahlt haben?
So ein Ansatz wie der von den Jugendlichen funktioniert nur, weil es eben nicht jeder macht, weil die anderen nicht ihre eigenen Regeln machen. Mir fällt es schwer, dem zu applaudieren.
Egal, was Boris Palmer macht, er ist schon alleine aufgrund seiner Art im Unrecht und eskaliert Konflikt auch unnötig. Wenn wir über solche Themen reden, sollten wir Boris Palmer einfach ignorieren. Und den Darstellungen von ihm selbst auf Facebook sollte man auch einfach nicht glauben.
[…] habe der Jugendliche ihm „Halt die Fresse“ zugerufen […] Er habe den Jugendlichen daraufhin zur Rede stellen wollen […] Wegen der Beleidigung
“Halt die Fresse” ist eine Beleidigung?
Ja.
Für einen hochwichtigen Großkotz wie Boris Palmer schon.
@trollercoaster @Localhorst86
Mit schnell gezücktem Dienstausweis als Leiter der Ortspolizeibehörde, um seine Allmachtsphantasien auszuleben.Was für 1 Pimmel, ey
*klopf klopf*
Geh mal zur Tür, die Bullen wollen was von dir.
Keine Angst, der Boris ist nur Bürgermeister, kein Innenminister, der kann Dir kein SEK schicken, sondern maximal das Ordnungsamt von Tübingen. Und wenn die einfach so bei Dir reinkommen, kannst Du die richtige Polizei rufen, die verhaftet die dann.
Die Frau habe grundsätzlich infrage gestellt, warum der fehlende Fahrschein für die erste Klasse ein Problem sei, berichtet Palmer. Er habe auf die Ordnungswidrigkeit und drohende Bußgelder hingewiesen – ohne Resonanz.
Das ist “Cannabis ist verboten, weil es illegal ist” 2.0
Das ist ein echt schlechtes Zeichen wenn Politiker, also genau diejenigen deren Aufgabe es ist Gesetzte zu überarbeiten und verbessern, auf die strikte und unreflektierte Einhaltung dieser beharren.










