Was fehlt, wenn Kinos schließen, merkt man oft erst im Nachhinein. Jetzt droht sogar einem der größten, dem Mathäser-Filmpalast in München der Abriss.
Was fehlt, wenn Kinos schließen, merkt man oft erst im Nachhinein. Jetzt droht sogar einem der größten, dem Mathäser-Filmpalast in München der Abriss.
Unbestritten gibt es gute Filme, na klar. Aber der Kinogang ist ja meist geknüpft an eine besondere Erfahrung, die traditionellerweise in Form der Blockbuster erfolgt, also großen, teuren und aufwändigen Projekten, wo sich der Genuss auf der großen Leinwand mit einer quadrillion Dolby Super-Ultra-Allfrequenzlautsprechern auch lohnt. Für dieses Erlebnis sind diese Filme einfach zu mies und das meine ja nicht nur ich, darüber liest man auch viel.
Ich finde die Ursachen dafür gleichermaßen unglaublich wie interessant. Zum Beispiel hab ich letztens erst gelesen, dass aus Kostengründen oftmals die Unreal Engine eingesetzt wird, was früher nur in der Vorproduktion ein Thema war. Da diese zwar gut ist, aber halt eine Game Engine und kein Renderer für Filmproduktionen, sieht das ganze oftmals so mies aus.
Dann hab ich noch gelesen, dass an solchen Produktionen heute im Gegensatz zu früher hunderte Studios beteiligt sind, die am Ende ihre Ergebnisse irgendwie zusammenklatschen müssen, natürlich schnell noch zum nächsten saisonalen Event. Da passt dann oft was nicht, weswegen man die Farben hochdreht und die Kamera schneller bewegt.
Die Drehbücher sind ähnlich kaputtgemacht von tausenden Bestimmern, die nicht bestimmen sollten.
Also doch, ich bin abschließend definitiv der Meinung, dass die Qualität dieser Werke absolut nachgelassen hat, eigentlich auf jeder Ebene. Das beeinflusst natürlich nicht die Tatsache, dass es trotzdem gute Filme gibt, aber die gönnt man sich dann auch gerne mal daheim, anstatt dafür ins Kino zu gehen.
Ich sag ja nicht, dass im Hintergrund keine schrägen Methoden zur Gewinnoptimierung gefahren werden, dass ist nichts neues. Entscheidungen von Oben™, die in den künstlerischen Prozess eingegriffen haben, gab es auch schon immer. Aber dass das in einer höheren Rate schlechter Filme resultiert, ist ersteinmal nur eine Behauptung.
Wie gesagt, wir tendieren dazu, schlechte Filme, schlechte Musik etc nach einiger Zeit zu vergessen und zu verdrängen und haben daher einen verklärten Blick auf die Vergangenheit und wie viel schlechter Kram da auf den Markt geschmissen wurde. Das ist nichts schlimmes, aber ea ist etwas.
Ich halte nicht viel davon, rumzupoltern a la “Es GiBt HeUtZuTaGe GaR kEiNe GuTeN fIlMe MeHr” halte ich schlicht für zu zu kurz gedacht, selbst wenn man eigentlich “nur wenige Filme” oder “die Qualität lässt insgesamt nach”.
Aber ich geh sowieso nicht mehr so oft ins Kino (hauptsächlich aus Kostengründen und mangels Begleitung), und wenn mache ich es wie bei den meisten Dingen: statt hirnlos draufloszukonsumieren überlege ich, was mich interssiert, höre mir verschiedene Stimmen zu dem Film an (und nicht nur “mein Lieblingsfilmyoutuber findet den total cool, also muss der gut sein”) und treffe dann eine Entscheidung.
Wäre das Kino erschwinglicher und hätte ich regelmäßiger Begleitung, würde ich wahrscheinlich häufiger und anders ins Kino gehen. Ich würde sogar gerne wieder mehr ins Kino, alleine schon weil das was mit meinem Kopf macht. Zuhause hab ich einen Film oder eine Serie meistens auf dem zweiten Bildschirm oder ich greife häufiger mal zum Handy, weil mein Kopf nicht ausgelastet ist. Im Kino ist das anders, weil das Setting ein anderes ist. Man wird anders eingeladen und ermutigt, sich auf den Film einzulassen. Das hat auch nichts damit zu tun, dass die Drehbücher weniger fordernd wären, denn das passiert unabhängig davon, ob ich einen besseren Film zuhause oder einen schlechteren im Kino gucke. Vielleicht haut mein ADHS etwas da rein, keine Ahnung.
Aber die so oft angeprangerte und nie bewiesene Abnahme der Qualität von Filmen hat damit nichts zu tun.