• daw@feddit.org
    link
    fedilink
    arrow-up
    29
    arrow-down
    1
    ·
    4 hours ago

    Ich wünsche mir dass die Grünen sich radikal als Partei der Rationalität aufstellen und so langfristig als zukünftige Mitte der politischen Landschaft fungieren können.

    Vorschlag für derartige Grundlinien:

    Menschengemachter Klimawandel? Real.

    Sicherheit? Reales Problem, kann man nicht idealistisch wegignorieren.

    100% Freie Marktwirtschaft? Nicht mit einer sozialen Gesellschaft und einem endlichen Planeten vereinbar.

    Marktwirtschaft? Als effizienter Mechanismus zur Ressourcenallokation benötigt, Marktverzerrung und Zielkonflikte regulatorisch lösen.

    Starke Sozialsysteme? Wirtschaftlich förderlich, Gesellschaftlich notwendig, demokratiefördernd, notwendig um Bereitschaft und Resilienz der Bevölkerung bei großen Umbrüchen aufrecht zu erhalten.

    Wirtschaftliche Ungleichheit? In Maßen unumgänglich und motivierend sowie freiheitlich geboten.

    Chancenungleichheit, Intergenerationale Akkumulation? Nicht mit einer FDGO vereinbar, muss durch bissige Erbschaftssteuern sowie staatliches Grunderbe für alle gebrochen werden.

    Hoher Mindestlohn? Geboten da gesellschaftlich und ökonomisch Sinnvolle. Treibt außerdem die Produktivität/Effizienz der Wirtschaft an.

    Revolution? Nicht demokratisch legitimiert, keine Option.

    Reformen? Machbar, demokratisch und in revolutionärem inhaltlichen Ausmaß notwendig.

    Wachstum? Menschliche Grundfunktion

    BIP-Wachstum? Nicht entscheidend.

    Wachstum an Materialumsatz der Wirtschaft? Nicht ok da nicht zukunftsfähig und nicht mit einer endlichen Welt vereinbar, außerdem fragliche internationale Abhängigkeiten.

    Wachstum an Lebensqualität? Definitiv gewünscht

    Wachstum der wirtschaftlichen Möglichkeiten des Durchschnittsbürgers? Gewünscht aber durch Teilhabe an der Wirtschaft zu lösen nicht durch BIP-Wachstum.

    Ungeregelte Flüchtlingsströme? Unmenschlich und nicht mit rechtsstaat vereinbar sowie fehlende Legitimität.

    All Refugees Welcome? Ja bitte, (menschlich geboten sowie) demografisch und wirtschaftlich unausweichlich.

    Entwicklungshilfe? Wichtiges Instrument für internationale Softpower, Möglichkeit zum Aufbau wirtschaftlich beidseitig förderlicher Partnerschaften, Unumgänglich vor dem Hintergrund der Klimagerechtigkeit sowie notwendig um Klimaschutz weltweit zu verankern. Nur für Staaten welche sich in Richtung Demokratie bewegen bzw da schon sind.

    Klimaschutz? Schutz der Lebensgrundlagen und damit Wirtschaftsschutz, Schutz von Märkten, “Schutz vor Flüchtlingswellen”

    Fleischkonsum? In der derzeitigen Masse Gesundheitsschädlich, Umweltschädlich, Menschenfeindliche. Grundsätzlich dem Individuum freigestellt aber Gesellschaftlich im Ungleichgewicht.

    Keine Ideologie außer Demokratie und der eingebettete Wert, dass jeder Mensch gleich viel Wert ist und deswegen die gleichwertigen Chancen verdient. (Chancengleichwertigkeit -> wer eine härtere Ausgangslage hat verdient mehr Unterstützung)

    Damit deckt man den praktischen, funktionalen und notwendigen Teil der Politik ab; bietet konkrete Lösungen; umgeht Glaubensfragen größtenteils und bleibt Anschlussfähig für demokratisches Arbeiten und Kompromisse in alle Richtungen.

    Ich habe auch tiefergreifende Wertevorstellungen aber es gibt so viele Fragen die man einfach rational und aus einer Mensch-zentrierten-Perspektive beantworten kann.

    • Kaijobu@discuss.tchncs.de
      link
      fedilink
      arrow-up
      7
      ·
      3 hours ago

      Ich stimme bei so ziemlich allem zu. Allerdings ist die Gesellschaft so weit nach rechts gewandert, dass dein Wunsch der “politischen Mitte”, die ja so nie existieren kann, bei all den sozialen Themen der Chancengleichheit und Menschenwürde und Unterstützung der Ärmeren recht weit links anzusiedeln ist.

      Und dennoch wäre all das wünschenswert und gut für uns alle!

      • daw@feddit.org
        link
        fedilink
        arrow-up
        4
        ·
        3 hours ago

        Deswegen ist es ja so wichtig sich auf Rationalität zu fokussieren. Das macht es ungeheuer viel einfacher Überzeugungsarbeit zu vollbringen, da man sich auf harte Fakten stützen kann. Politik sollte ja auch sein, Narrative zu entwickeln und diese anderen Bullshiterzählungen als Alternative entgegenzusetzen; nicht sich auf Bullshitnarrative einzulassen und diese dann noch irgendwie versuchen zu spinnen.

    • phneutral@feddit.org
      link
      fedilink
      arrow-up
      3
      ·
      3 hours ago

      Auch wenn ich selbst deutlich linker zu verorten bin, würde mir eine solche grüne Partei als bürgerliche links-mitte Vertreterin eines öko-sozialen Blocks im Bundestag sehr gut gefallen.

      Was mir wichtig wäre: es darf keine Berührungsängste mit den Linken geben. Wer ernstzunehmend linke Politik in Deutschland durchsetzen möchte, muss auch linke Bündnisse schmieden und anführen können.

      • daw@feddit.org
        link
        fedilink
        arrow-up
        3
        ·
        edit-2
        3 hours ago

        Mir ist das mit den Bündnissen auch wichtig. Es scheint mir nicht so, dass die Grünen da grundsätzliche Berührungsängste haben, ich glaube es wäre sogar einfacher für die Partei als mit der Pseudoliberalen FDP zu koalieren.

    • plyth@feddit.org
      link
      fedilink
      Deutsch
      arrow-up
      1
      ·
      3 hours ago

      Hoher Mindestlohn? Geboten da gesellschaftlich und ökonomisch Sinnvolle.

      Warum ist es ökonomisch sinnvoll?

      • daw@feddit.org
        link
        fedilink
        arrow-up
        4
        ·
        2 hours ago

        Abstrakt: Da die Wertschöpfung in einem Geldbasiertem System über das Handeln mit Geld entsteht und nicht über das Halten von Geld. Zusätzlich entsteht Wertschöpfung da wo Ressourcen mit dem meisten Effekt eingesetzt werden. Auch die Art der Ausrichtung einer Wirtschaft verändert je nach Nachfrage, wobei die These ist, dass Dinge die von vielen Menschen gebraucht werden auch einen großen Nutzen haben.

        Praktisch: Jemand der Mindestlohn verdient hat nicht soviel Geld und wird wahrscheinlicher einen zusätzlichen Euro ausgeben als jemand der viel verdient. Dies kurbelt die Binnennachfrage an.

        Dann gibt es die Frage nach dem Nutzen. Jemand der Mindestlohn verdient, hat vermutlich nicht viel unnötigen Schnickschnack und wird vermutlich eher eine stark nutzbringende Investition tätigen mit dem zusätzlichen Euro als jemand der schon alles hat. Beispiel: Ein Mensch der Mindestlohn verdient kann sich das D-Ticket nicht leisten. Er verdient 60€ mehr und kauft sich ein D-Ticket und kann plötzlich weniger Zeit und Energie mit laufen verbringen. Diese Energie setzt er jetzt ein um sich selbst einen passenderen Job zu suchen in dem er produktiver ist und seinem Kind bei der Schule zu helfen, was daraufhin bessere Chancen auf einen besseren Job hat. Mit dem Ticket kann er auch einen besseren Job der weiter entfernt ist annehmen. Jemand der ein Unternehmen besitzt freut sich dass der Mindestlohn nicht erhöht wurde und kauft sich von dem Geld einen Hummer und erzeugt damit genau die Wertschöpfung im Wert von einem Hummer. -> law of Diminishing returns / Ertragsgesetz (https://de.wikipedia.org/wiki/Ertragsgesetz) Wenn viele Akteure in der Wirtschaft in dem für sie effizienten Bereich investieren also am Anfang der Nutzenkurve

        wird das geld in der Wirtschaft insgesamt effektiver ausgegeben.

        Außerdem würde die Nachfrage näher an den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung verankert welches die Wirtschaft effizienter macht in der Befriedigung von Bedürfnissen was ja der gesamte Sinn hinter so einer Wirtschaft ist

        Konkret dazu:

        https://youtu.be/8oTo1KB07PU?t=17m55s

        https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-04/lohnpolitik-mindestlohn-gewerkschaften-arbeitsmarkt-arbeitsbedingungen


        Ich kann an Inhalten empfehlen:

        Surplus Magazin (sowohl Schriftform als auch Podcastinhalte)

        Geld für die Welt

        https://youtube.com/@maurice_hoefgen

        In Verbindung mit Gary’s Economics (viel zum Thema Gleichheit in Verbindung mit Wirtschaft)

        https://youtube.com/@garyseconomics

        Das Ganze fußt dann irgendwann tiefergehend auch auf https://de.wikipedia.org/wiki/Keynesianismus