Der Bundeskanzler findet: Arbeitnehmer in Deutschland haben zu viele Krankheitstage. Bei einem Wahlkampfauftritt räsoniert er über eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Die AOK widerspricht.
Der einzige Ausweg ist keine Arbeitgeber (mit Profitdenken) mehr zu haben
Das ist leider nicht der Weisheit letzter Schluss: Ich bin für einen gemeinnützigen Arbeitgeber tätig und in der geschäftsführenden / Personalebene ist das Narrativ “Die Mitarbeiter sind aber viel ‘krank’, wir sollten bei mehr Leuten AU ab dem ersten Tag verlangen” weit verbreitet. Warum? Weil der Krankenstand tatsächlich sehr hoch ist und tatsächlich sehr hohe Kosten verursacht, die für uns ein Riesenproblem sind, alles ohne private Profitinteressen zu haben.
Aber anstatt die (staatlichen) Kostenträger offensiv dafür zu kritisieren, dass die gezahlten Vergütungen zu niedrig sind, Tarifsteigerungen nicht vollständig refinanziert werden und auch andere Risiken (Kunde im Krankenhaus, es kann nichts abgerechnet werden, aber Personalkosten laufen weiter) nicht über die Vergütung kompensiert werden, wird lieber in Richtung Arbeitnehmer geschaut…
Klar, da gebe ich dir völlig recht. Es ist nur ein Baustein in einem Gesamtkonstrukt, dass man Sozialismus nennt. Wobei halt ohne privatisiertes Gesundheits/Pflegesystem und mit einem intakten Sozialsystem, dass darauf folgen würde wäre schon viel erreicht, auch in dem Bereich.
Voll, ich find’s halt nur ein gutes Beispiel dafür, dass der Kapitalismus ein totalitäres System ist, das sogar Lebensbereiche durchdringt und bestimmt, die eigentlich von ihrer Idee her (in meinem Fall Diakonie) nicht-kapitalistisch sein wollen. Und was mich so schockiert, ist, dass man dann nicht sagt “Okay, Krankenstand + Personalkosten sind ein Problem für uns, lasst uns die schlechte Finanzierung des Sozialsystems kritisieren und zähneknirschend versuchen, das Beste draus zu machen”, sondern das neoliberale Narrativ der faulen ‘kranken’ Arbeitnehmer wird unreflektiert reproduziert.
Klarer Fall von “Es gibt kein richtiges Leben im falschen.”
Dass du von der Diakonie sprichst (habe da selbst Zivi gemacht und Ehrenamt danach ein paar Jahre, trotz Atheist) passt. Was du beschreibst ist die protestantische Arbeitsethik, die zwar ideologisch nicht kapitalistisch ist, aber ein zentraler Bestandteil des Nährbodens auf dem sich der Kapitalismus ausbreiten konnte, weil ultra-leicht auszubeuten.
Das ist leider nicht der Weisheit letzter Schluss: Ich bin für einen gemeinnützigen Arbeitgeber tätig und in der geschäftsführenden / Personalebene ist das Narrativ “Die Mitarbeiter sind aber viel ‘krank’, wir sollten bei mehr Leuten AU ab dem ersten Tag verlangen” weit verbreitet. Warum? Weil der Krankenstand tatsächlich sehr hoch ist und tatsächlich sehr hohe Kosten verursacht, die für uns ein Riesenproblem sind, alles ohne private Profitinteressen zu haben. Aber anstatt die (staatlichen) Kostenträger offensiv dafür zu kritisieren, dass die gezahlten Vergütungen zu niedrig sind, Tarifsteigerungen nicht vollständig refinanziert werden und auch andere Risiken (Kunde im Krankenhaus, es kann nichts abgerechnet werden, aber Personalkosten laufen weiter) nicht über die Vergütung kompensiert werden, wird lieber in Richtung Arbeitnehmer geschaut…
Klar, da gebe ich dir völlig recht. Es ist nur ein Baustein in einem Gesamtkonstrukt, dass man Sozialismus nennt. Wobei halt ohne privatisiertes Gesundheits/Pflegesystem und mit einem intakten Sozialsystem, dass darauf folgen würde wäre schon viel erreicht, auch in dem Bereich.
Voll, ich find’s halt nur ein gutes Beispiel dafür, dass der Kapitalismus ein totalitäres System ist, das sogar Lebensbereiche durchdringt und bestimmt, die eigentlich von ihrer Idee her (in meinem Fall Diakonie) nicht-kapitalistisch sein wollen. Und was mich so schockiert, ist, dass man dann nicht sagt “Okay, Krankenstand + Personalkosten sind ein Problem für uns, lasst uns die schlechte Finanzierung des Sozialsystems kritisieren und zähneknirschend versuchen, das Beste draus zu machen”, sondern das neoliberale Narrativ der faulen ‘kranken’ Arbeitnehmer wird unreflektiert reproduziert.
Klarer Fall von “Es gibt kein richtiges Leben im falschen.”
Dass du von der Diakonie sprichst (habe da selbst Zivi gemacht und Ehrenamt danach ein paar Jahre, trotz Atheist) passt. Was du beschreibst ist die protestantische Arbeitsethik, die zwar ideologisch nicht kapitalistisch ist, aber ein zentraler Bestandteil des Nährbodens auf dem sich der Kapitalismus ausbreiten konnte, weil ultra-leicht auszubeuten.