Jetzt mal ehrlich, ein Kollege hat aufgehört und fährt jetzt LKW, er meinte einen Tausender mehr und kein WE mehr arbeiten. Letztens habe ich einen alten Bekannten getroffen, er fährt jetzt auch LKW und verdient 4k Netto. Da bin ich fast vom Glauben abgefallen. Nicht falsch verstehen, ich gönne es jedem, aber da zweifle ich schon an meinem Gehalt, samt Nacht-, Feiertags- und Wochenendzulagen komme ich nicht in diese Nähe.
Tja, sieht so aus als würde der Markt regeln.
Der Markt ist tatsächlich auch echt gut darin, das zu regeln. Nur passt das Ergebnis den Arbeitgebern halt nicht. Die letzten 20 Jahre wurde halt zugunsten der Arbeitgeber geregelt, jetzt nicht mehr und alle sind am Schreien.
Arbeitgeber
Eigentlich ist der sogenannte Arbeitgeber der Arbeitnehmer und der sogenannte Arbeitnehmer der Arbeitgeber.
Tja™.
Und nicht den Fehler machen und kurz in Richtung Heil- und Pflegeberufe schauen. Selbst trotz Manteltarif ist die Bezahlung bodenlos, von der “betrieblichen Übung” in flexibler Auslegung des ArbZG noch nicht einmal gesprochen. Und dann kommt so’n Dulli wie ich daher und “arbeitet” gemütliche 24 Stunden pro Woche, 100% daheim am Rechner, für eine unverhältnismäßig hohe Bezahlung, nur weil meine Interessenlage zu einem Kompetenzprofil geführt hat, das die unsichtbare Faust des Marktes für äußerst profitabel und nutzbar hält.
Unsere “marktüblichen” Metriken zur wortwörtlichen Bewertung von Arbeit sind komplett hanebüchen. Und dann werden Hände ringend modellkonforme Gründe gesucht (Fachkräfte! Arbeitszeit! Kündigungsschutz!), wenn das System sichtbare Risse bekommt, weil Menschen nicht mehr existieren dürfen. Hauptsache, die “Jeder kann es schaffen”-Legende wird weiter kolportiert, unter Auslassung des Zusatzes “…wenn er bereit ist, seine Mitmenschen auszubeuten”.
Bah. Ich wär’ lieber im Alter konservativer Spießer geworden, wie es mir versprochen wurde. Stattdessen… [wildes Gestikulieren] das alles hier!
gemütliche 24 Stunden pro Woche
Und ich fühle mich mit 32h schon schlecht. Schön zu sehen, dass andere noch weniger arbeiten. :D Aber lass das nicht den Fotzenfritz hören, der bekommt direkt Puls! 😡
Keine Sorge, im vorauseilenden Gehorsam verbringe ich meine viele freie Zeit damit, das viel zu teure Pflegesystem durch freiwillige Angehörigenpflege zu entlasten. Aber ich verstehe Fritzl schon: Wer keinen Lohn bezieht, arbeitet auch nicht. Faules, parasitäres Geschmeiß, alles. Dividenden und Zinsen gelten natürlich als Lohn im Rahmen dieser Betrachtung, wo kommen wir denn sonst hin!
Ich lass’ mich auch nicht im Stadtbild sehen, um keine Töchter zu verunsichern mit meinem arbeitsscheuen Anblick.
Selbst trotz Manteltarif ist die Bezahlung bodenlos … Und dann kommt so’n Dulli wie ich daher und “arbeitet” gemütliche 24 Stunden pro Woche, 100% daheim am Rechner, für eine unverhältnismäßig hohe Bezahlung, nur weil meine Interessenlage zu einem Kompetenzprofil geführt hat, das die unsichtbare Faust des Marktes für äußerst profitabel und nutzbar hält.
Gut, das ist aber auch nicht das Problem. Die Pflege ist einfach nicht so profitabel wie die Entwicklung von irgendwelcher IT-Infrastruktur. Ich hab mal für ein Unternehmen gearbeitet, was mit Pflegeunternehmen gearbeitet hat und hab paar Abrechnungen gesehen - da wird finanziell teilweise schon extrem am Pfannenboden gekratzt, gerade, wenn keine Förderungen der Stadt zugeschossen werden. Klar gibt es die Ausreiser, die nach 6 Monaten nen neuen Ferrari leasen, aber das sind - in meiner Erfahrung - eher die Ausnahmen. Pfleger bringen einfach nicht die Kohle rein, die z.B. ausgebildete Informatiker o.ä. reinbringen. Das ist aber auch soweit alles okay.
Der Fehler ist, dass systemkritische Dinge wie Pflege oder das Gesundheitswesen überhaupt in privater Hand liegen und demnach Profit abwerfen müssen … das ist das Dämliche. Es geht hier um die Gesundheit von Menschen, da sollte kein privater Investor dahinterstehen und die Hand aufhalten. Sobald Profiterwartung dabei ist, wird automatisch an allen Ecken und Enden gespart. Dass die Gehälter gedrückt werden, ist ja nur eine Sache, es wird ja auch an Patienten gespart. Ich hab mal nen Artikel gelesen, dass z.B. das Krankenhausessen in fast allen Stichproben UNGESUND ist. Im fucking KRANKENHAUS … https://www.apotheken-umschau.de/news/essen-in-deutschen-krankenhaeusern-ist-oft-ungesund-und-klimaschaedlich-1378485.html
Die Pflege, Krankenhäuser etc. MÜSSEN in staatlicher Hand und ohne Gewinn oder sogar Selbsterhaltungserwartung geführt werden. Genauso wie der ÖPNV, Bildung etc. In der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt sollte dieses Geld eigentlich da sein.
Ich lag mit 23 mal für 1½ Wochen im Krankenhaus. In der Zeit hab ich fast 5kg abgenommen. Das lag nicht daran das ich Fett war mit meinen 1,86m und 72kg. Sondern einfach das die Portionen gottlos klein waren das ich exakt einmal satt war, nachdem ich 2 Portionen Krankenhausessen und ne komplette fucking Pizza gegessen hatte.
Das Essen reicht vielleicht aus für 93f mit gebrochener Hüfte. Aber nicht für einen durchschnittlichen jungen Erwachsenen mit etwas Muskulatur.
Jup. Meine Freundin hatte so ein Szenario - die hat 7 (Keine Hyperbolie - gezählt!) Schupfnudeln zum Mittagessen bekommen mit einer aufgelösten Fertigtomatensoße, wo man das Pulver noch rausgeschmeckt hat, weils nicht ordentlich aufgelöst wurde. Und wenn diese Frau nach dem Essen noch Hunger hat als jemand, die kaum nen Döner komplett aufgegessen bekommt, dann muss da definitiv was falsch sein.
Neben ihr lag eine Privatpatientin, die regelmäßig so Mitleid mit ihr hatte, dass sie ihr Essen mit ihr geteilt hat, weil die ein 3-Gänge Menü (wieder keine Hyperbolie) bereitgestellt bekommen hat.
Dann will ich nicht wissen was die Kassenpatienten bekommen haben, ich war damals noch privat versichert.
Ja die es werfen halt nur nen paar Euro pro Person und Tag an Budget bereitgestellt. Trotz Mengenrabatt kommt da halt erwartungsgemäß wenig bei raus. Mittlerweile sind die meisten KH-Küchen übrigens outgesourced um weiter Kosten zu drücken.
Die öffentliche Hand ist genauso am Lohn drücken, dieses Jahr in der Tarifrunde haben sich die Arbeitgeber in den ersten Verhandlungsrunden geweigert unser Angebot anzugucken und nen Gegenangebot zu machen.
Manchmal kriege ich traurige Augen, wenn ich erzähle wieviel ich ausgelernt verdienen werde. Hinzu kommt, dass sich Arbeitgeberinnen weiterhin weigern in der Pflege Praxisanleiterinnen höher zu stufen für ihre Weiterbildung oder Studiengänge angemessen zu entlohnen (außer Management ;) ).
Das liegt auch daran, dass die Kommunen flächendeckend pleite gehen und es weder Bund noch Länder scheinbar juckt. Viel der Versorgung hängt daran und wenn die Kommunen es nicht mehr stemmen können sehen sie sich gezwungen es abzugeben. Das Krankenhaus wo ich arbeite schreibt seit Jahrzenten rote Zahlen bloß jetzt wird sich auf einmal dran gestört.
Die öffentliche Hand ist genauso am Lohn drücken
Das kann man aber durch Wahlen etc. beeinflussen.
Das Krankenhaus wo ich arbeite schreibt seit Jahrzenten rote Zahlen bloß jetzt wird sich auf einmal dran gestört.
Das sollte in einem Krankenhaus halt eigentlich auch egal sein … Krankenhäuser sollten der Gesundheitspflege dienen und nicht als gewerbliches Unternehmen. Manchmal denke ich mir, dass wir vlt. diese endlosen Milliarden, die wir in die Krankenversicherung buttern, einfach direkt zur Finanzierung von Krankenhäusern und Ärzten nutzen …
Arbeitgeber
Eigentlich ist der sogenannte Arbeitgeber der Arbeitnehmer und der sogenannte Arbeitnehmer der Arbeitgeber.
Dankeschön, Schnapspraline?
Schnapspraline
Nehm ich.
4k netto sind knappe 100k Bruttojahresgehalt, als Trucker? Ich bin IGM letzte Tarifstufe und auch in der Größenordnung, mit 3 aufeinander aufbauenden Uniabschlüssen.
Ich vermute allerdings deine Arbeitsbedingungen sind angenehmer. Je nachdem was du fährst bedeutet LKW fahren lange Tage, viel Zeit weg von der Familie, Termindruck, und harte körperliche Arbeit bei Wind und Wetter. Ich fahr 3 Wochen im Jahr für die schweizer Armee und ehrlich gesagt reicht mir das echt, die haben sich den Lohn verdient :D
Aktuell stimmt das schon, 35h GLZ usw. Aber an der Uni hab ich auch oft genug die Nächte und die Wochenenden durcharbeiten müssen um hierhin zu kommen. Und der Trucker hat auch seine gesetzlichen Lenkzeiten die nicht überschritten werden. Schon irgendwie ernüchternd.
Was hat der Kollege denn vorher gearbeitet, devor er LKW Fahrer wurde?
Der Kollege das gleiche wie ich, Fahrdienstleiter bei der DB. Der Bekannte war Schichtführer bei McDonalds.








